Dem Wald ganz nah

Mit dem Ziel, Nachverdichtung zu ermöglichen, haben Berktold Weber Architekten dieses Familienzuhause in der Typologie eines lang gezogenen, gemeinschaftlich strukturierten Eigenheims mit zukunftsorientierten Entwicklungsoptionen erschaffen.

Dem Wald ganz nah
Eine Fassade aus Weisstannenlamellen verleiht dem zweistöckigen Wohnhaus eine zarte Silhouette.
Text Lina Giusto Fotos Kurt Hörbst
Mit dem Ziel, Nachverdichtung zu ermöglichen, haben Berktold Weber Architekten dieses Familienzuhause in der Typologie eines lang gezogenen, gemeinschaftlich strukturierten Eigenheims mit zukunftsorientierten Entwicklungsoptionen erschaffen.
Das Anwesen, das am Waldrand steht und von Bäumen umringt ist, die ein schützendes Rückgrat bilden, ist in eine mystische Stimmung getaucht. Nähert man sich von der Westfassade aus dem Haus, würde man nicht vermuten, dass es 24 Meter lang ist. Am Rand zum Eulenwald endet im oberösterreichischen Kremstal die Siedlung, deren Grenze das 2019 erbaute Einfamilienhaus auf neuartige Weise prägt. Da das Grundstück stark ansteigt, galt es, bei der Gestaltung des Gebäudes eine durchdachte Lösung bei der Positionierung, der Höhenlage und den Bezügen zur Umwelt zu finden. Helena Weber und Philipp Berktold, die verantwortlichen Architekten des gleichnamigen Architekturbüros aus Dornbirn, haben deshalb ein der Typologie eines Langhauses folgendes Wohnhaus entworfen. Diese Bauform charakterisiert sich durch ihre lang gezogene Struktur und die offene Raumaufteilung, in der die Bewohner gemeinschaftlich zuammenleben. «Die Bauherren wünschten sich ein nachhaltiges, schlichtes Zuhause, das flexibel auf künftige Veränderungen reagieren kann. Auch die Ausführung in Holzbauweise war eine Vorgabe», sagen die beiden Architekten zu dem realisierten Bauauftrag.Das moderne Holzhaus mit schlichter Silhouette schmiegt sich auf zwei Etagen an den Hang. Über einen Aufgang vom Carport gelangt man zum Eingang des Hauses, der auf der unteren Ebene liegt. Hier findet eine kleine Einliegerwohnung ihren Platz. Die rückwärts in den Hang gegrabenen kühlen Räume dienen als Lager. Das Leben der Familie findet auf der Wohnebene im oberen Geschoss mit heimeligen Dachschrägen statt. Die Topografie des Geländes wird so genutzt, dass man auch auf diesem Stockwerk ebenerdig zum Garten gelangt. Das lang gezogene, einzeilige Haus ist durch unterschiedliche Raumzonen strukturiert, die fliessend ineinander übergehen. Durch diese räumliche Einteilung entsteht ein lebendiges Spiel zwischen miteinander verbundenen Lebensräumen und den Bereichen, die als Rückzugsmöglichkeiten dienen. Besonders deutlich wird das bei der Küche, dem Ess- und Wohnbereich, die mit einem als Raumteiler konzipierten Ofen zoniert werden. Eingezogene Trennwände strukturieren dahinter die privateren Räume wie Bad und Schlafzimmer. Aber auch diese sind offen zum restlichen Wohnraum gestaltet.

Ein Haus im Haus

Aussicht, Einsicht und Durchblick ermöglicht die lang gezogene Bauweise des Hauses wie auch eine grosszügige Verglasung. Umhüllt wird das Haus von einem Kleid aus Weisstannenlamellen. Die vertikal strukturierte Fassade verleiht dem Baukörper einen ruhigen, aber differenzierten Charakter. Subtil entflechtet sich die Fassade vom Wohngebäude, der auf drei Seiten verglaste Wohnraum scheint ein Haus im Haus zu bilden. Dadurch entstehen reizvolle, umlaufende Wege, die das äussere und das innere Haus spürbar werden lassen. Gleichzeitig wirkt der überdachte, ums Haus verlaufende Freiraum wie eine organische Verbindung zwischen dem inneren und äusseren Gebäudevolumen. Atmosphärisch wird der Wohnraum durch abwechselnde Sequenzen von Licht und Schatten, Transparenz und Privatsphäre beeinflusst.

«Mit dem integrierten Brotbackofen strömt öfter der Duft von frisch gebackenem Brot durch den Wohnraum.»
Helena Weber und Philipp Berktold

Eingekleidet ist die Innenausstattung des Familienhauses mit Weisstanne und einem kraftvollen Boden aus Esche. Zudem setzten die Bauherren auf Lehm im Badezimmer und auf Schwarzstahl bei Küche und Ofen. «Architektur und Innenarchitektur sind in einer fliessenden Gebäudestruktur dieser Art nicht zu trennen, sondern sind miteinander gedacht», sagt Helena Weber. Passend dazu wurden raumzonenbildende Möbel eigens von einem Tischler aus der Region gefertigt.

Nachhaltige Wärme

Den Bauherren war es ein Anliegen, durchgehend ökologische Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen einzusetzen. Auch bei den Dämmmaterialien hat man deshalb Holzwolle und Zellulose gewählt. Zudem wurde das Haus in Niedrigenergiebauweise errichtet, der Heizbedarf erfolgt über eine Luft-Wärme-Pumpe. Ergänzt wird das ökologische Konzept mit einem im Wohnraum dominant positionierten Speicherofen. Diesen bezeichnen die beiden Architekten Helena Weber und Philipp Berktold als ihr persönliches Highlight: «Mit dem integrierten Brotbackofen strömt öfter der Duft von frisch gebackenem Brot durch den Wohnraum.» Es ist ein Duft, der einen das Zuhause fühlen lässt. Darüber hinaus ist auch der Kontrast des warm anmutenden Holzhauses, das in seiner Schlichtheit Respekt vor der umliegenden rauen Naturkulisse vermittelt, etwas, das die Architekten als gelungen bezeichnen. Das lag ihnen besonders am Herzen: «Die Bauaufgabe selbst ist immer wieder spannend, da man alle Themen der Architektur streift. Wichtig dabei sind immer die ortsbauliche Einbindung und der Bezug zur Umgebung, damit die gebaute Struktur eine natürliche und angemessene Ergänzung darstellt», sagen die Architekten zur Anforderung und zum Vorgehen.

Weil sie als grundsätzliches Problem im Einfamilienhausbereich die Zersiedelung und den hohen Verbrauch an Grund und Boden nennen, ist ihr Ziel stets, die Häuser derart anzulegen, dass eine Nachverdichtung möglich ist. Aufgrund dessen wurden die Bauherren auch auf das Architektenduo aufmerksam. «Ihnen ist unsere Grundhaltung und die Art, wie wir mit den Bauaufgaben umgehen, aufgefallen», sagt Philipp Berktold. Der Bauherr selbst ist im gestalterischen Sektor tätig, was bei gewissen Themen zu Know-how-Synergien führte, weshalb der Architekt die Zusammenarbeit und die gemeinsame Entwicklung des Hauses als fruchtbar bezeichnet. Und so ist das Haus als Fingerabdruck der Haltung und der Werte der Hausbesitzer zu verstehen. Denn die Architekten sind überzeugt: «Jedes Haus ist anders und speziell. Es fliesst immer ein Stück weit die Persönlichkeit der Bauherren mit ein.» So war es auch beim Haus am Eulenwald, das sich zurückhaltend, natürlich und mit seinem warmen Ambiente aus Holz vor dem angrenzenden Waldgebiet verneigt.

Technische Angaben

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Obergeschoss
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Erdgeschoss

[ Architektur ]

Berktold Weber Architekten, Helena Weber und Philipp Berktold, berktold-weber.com

[ Konstruktion ]

Holzelementbauweise mit Zellulosedämmung | Satteldach | vertikale Weisstannenlamellen

[ Raumangebot ]

Nettowohnfläche: 138 m2 | Anzahl Zimmer: fliessende Raumübergänge

[ Ausbau ]

Boden: Esche geölt und gebürstet | Wände: Täfer aus sägerauer Weisstanne (Bandsägeschnitt) | Fenster: Weisstanne geölt, 3-fache Wärmeschutzverglasung

[ Technik ]

Luft-Wärme-Pumpe | Niedrigenergiesystem | gemauerter Speicherofen, kalkgespachtelt, mit integriertem Brotofen

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Von überdachten Wegen umgeben, mutet der Wohnbereich im Obergeschoss wie ein Haus im Haus an.
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Zum Eschenboden und zur Auskleidung mit Weisstanne setzt die schwarze Stahlküche einen angenehmen Kontrast und Ankerpunkt.
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Als Raumtrenner konzipiert, zoniert der mit Kalk gespachtelte und gemauerte Speicherofen den Ess- und den Wohnbereich.
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Die lang gezogene Bauweise und die rundum verlaufende Verglasung ermöglichen viel Aussicht und Einsicht, aber auch Durchblick.
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Komplett mit Holz ausgestattet, ist das Schlafzimmer ein idealer Wohlfühlort.
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Ein Langhaus ist durch eine offene Raumeinteilung gekennzeichnet, die ein gemeinschaftliches Zusammenleben fördert.
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Vom Waldrand aus ist die lang gezogene Form des Hauses für den Betrachter noch ein Geheimnis.
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Erdgeschoss
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Obergeschoss
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