Ein Pool als Refugium
Was als spontane Idee während der Pandemie entstand, hat sich für eine Familie in der Schweiz zu einem festen Bestandteil des Gartens entwickelt: Ein Living Pool, der ohne chemische Zusätze auskommt und sich nahtlos in die bestehende Architektur und Gartenlandschaft einfügt.

Das Wohnhaus der Familie Schwarzentruber, ein renovierter Altbau, liegt in einem ruhigen Wohngebiet. Die Umgestaltung des Gartens war bereits angedacht, als sich im Zuge der Covid-Pandemie der Wunsch nach einem privaten Rückzugsort im Freien konkretisierte. Obwohl ursprünglich kein Pool geplant war, führten intensive Recherchen und der direkte Vergleich verschiedener Systeme zur Entscheidung für einen sogenannten «Living Pool» – eine Form des Naturpools, die ohne Pflanzenzonen auskommt und trotzdem ohne chemische Wasseraufbereitung funktioniert. «Wir haben unterschiedliche Systeme getestet – darunter auch Chlor- und Salzwasserpools – und schnell gemerkt, dass wir ein möglichst naturnahes Badeerlebnis wollen, aber ohne die Pflege eines klassischen Schwimmteichs», erinnert sich Roland Schwarzentruber. Für ihn und seine Frau war neben der Wasserqualität vor allem die Langlebigkeit des Systems ausschlaggebend. Das Wasser bleibt über Jahre hinweg im Becken und wird durch ein biologisches Filtersystem aufbereitet – ein Vorteilsbesondere unter dem Aspekt der Ressourcenschonung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Ein Gestaltungskonzept, das sich der Umgebung anpasst
Für Planung und Umsetzung wählte die Familie die lokal tätige Gartenbaufirma Portmann Garten, die bereits zuvor für die Pflege der Aussenanlage verantwortlich war. In enger Abstimmung entstanden drei mögliche Entwürfe für die Platzierung des Beckens – unter Berücksichtigung von Sonnenverlauf, Zugänglichkeit und Sichtbeziehungen zum Wohnhaus. Letztlich fiel die Wahl auf ein längliches Becken in unmittelbarer Nähe zur Terrasse, das den gesamten Tag über besonnt wird. Das Design blieb bewusst zurückhaltend: Eine graue Poolfolie sorgt für eine ruhige Wasserwirkung, während der Beckenrand mit Natursteinplatten eingefasst ist. Auf gestalterische Elemente wie eine Einstiegstreppe wurde zugunsten der Schwimmfläche verzichtet. Beleuchtung sowie eine mögliche spätere Beheizung wurden von Beginn an eingeplant. Die gesamte Technik befindet sich unter der angrenzenden Holzliegefläche – dezent verborgen, aber gut zugänglich.
Von der Planung zur Umsetzung
Wie bei vielen Bauprojekten war auch hier ein gewisses Mass an Flexibilität gefragt. Pandemiebedingte Verzögerungen, Anforderungen an die naturnahe Gestaltung im Rahmen des Baugesuchs sowie Lieferengpässe führten zu einer Anpassung des ursprünglichen Bauplans. Statt der geplanten Stahlkonstruktion wurde das Becken schliesslich in Betonbauweise realisiert. Auch der Aushub förderte Unerwartetes zutage – alte Kunststoff- und Holzreste mussten separat entsorgt werden.
Trotz dieser Herausforderungen konnte das Projekt innerhalb von rund drei Monaten abgeschlossen werden. Die Bepflanzung rund um den Pool wurde mit standorttypischen Arten wie Eiben, Ahorn, Tannen und Gräsern ausgeführt – als funktionaler Sichtschutz und gestalterischer Rahmen zugleich.
Wasserqualität im Fokus
Im Zentrum der Anlage steht das besondere Badeerlebnis: klar, weich und geruchsneutral – ein Gefühl, das an das Schwimmen in natürlichen Gewässern erinnert. Auch an heissen Tagen bleibt die Wasserqualität konstant, was auf das biologisch-mechanische Filtersystem zurückzuführen ist. Ein Abdecksystem reduziert die Verdunstung, schützt vor Verschmutzung und verlängert die Badesaison deutlich – teilweise bis in den Oktober hinein. Die Pflege des Beckens bleibt überschaubar: Ein Poolroboter übernimmt die Reinigung von Boden und Wänden, die Wasserwerte regulieren sich weitgehend selbst. Eine Beheizung wurde vorbereitet, bislang aber nicht benötigt.
Ein Beitrag zur nachhaltigen Gestaltung des Außenraums
Mit dem Living Pool ist im Garten der Familie Schwarzentruber nicht nur ein gestalterisch integriertes Element entstanden, sondern auch ein Ausdruck eines bewussteren Umgangs mit Ressourcen. Der Verzicht auf Chemikalien, der dauerhaft niedrige Wasserverbrauch und die geringe Betriebsenergie machen das System zu einer zeitgemässen Alternative – nicht nur für die Familie selbst, sondern auch für das erweiterte Umfeld: Mittlerweile haben auch die Eltern des Ehepaars ihren bestehenden Chlorpool auf ein chemiefreies System umgestellt. Was als spontane Idee begann, hat sich so zu einem langfristigen, nachhaltigen Element der privaten Gartenarchitektur entwickelt – zurückhaltend in der Form, durchdacht in der Funktion.